Wilckens verwirft “Bibel in gerechter Sprache”

Kurz vor dem Lübecker Streitgespräch über die “Bibel in gerechter Sprache” am Montag (19. Februar) haben sich die Kritiker zu Wort gemeldet. Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens nennt die Übersetzung in einem theologischen Gutachten “bekenntniswidrig”. Sie tauge nicht einmal für die persönliche Lektüre. Auch Nordelbiens leitender Bischof Hans Christian Knuth hält die Bibelübersetzung im Gottesdienst für “untauglich”.Ziel der “Bibel in gerechter Sprache” ist nach den Worten der Übersetzerinnen, die Rolle der Frauen neu zu beleuchten und Angriffe auf das Judentum zu tilgen. Die Bibel solle auch feministisch-orientierte Frauen ansprechen, so die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, die als Mitglied des Beirats zu den Förderern des Projekts gehört. Die ersten 40.000 Exemplare waren schon kurz nach Erscheinen im Oktober vergriffen. Umgehend begann in der evangelischen Kirche ein lebhafter Streit. Auffälliges Merkmal der neuen Bibel ist, dass der Ausdruck “Herr” ersetzt wurde durch Begriffe wie “die Heilige”, “Ich-bin-da”, “Adonaj” oder “der Ewige”.

Wartenberg-Potters Vor-Vorgänger Wilckens, der als Hamburger Theologie-Professor selbst das Neue Testament übersetzte, nennt den Geist der neuen Bibel-Übersetzung schlicht “Häresie”, was übersetzt “Ketzerei” bedeutet. Mit der Vermeidung des Begriffs “Vater” für Gott werde das Wesen des biblischen Gottes mutwillig verändert. Jesus erscheine nicht als Sohn Gottes und Erlöser, sondern als “vorbildlicher Mensch”, der den Menschen die weiblichen Züge seiner Gotteserfahrung nahe bringt.

Wenn die Übersetzerinnen statt vom “Sohn” nur von “Gottes Kind” sprechen, so verwandele sich der “feierliche Zuspruch Gottes aus dem geöffneten Himmel” in eine manschliche Familienidylle, kritisiert Wilckens. “Man hört hier geradezu ‘Stille Nacht’”. Die Bibel sei eben nicht nur ein “Ausgangstext” für eine Übersetzung, die durch “sachfremde Interessen ideologischer Art” den Sinn verfälscht, sondern der “Grundtext” für alle Christen aller Kirchen.

© Evangelischer Pressedienst, epd Nord, 15.2.07/tm/me/bh

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